Kann das jemand verstehen?

Hallo ihr lieben. Mal wieder eine Meldung von mir, mein Wort zum Sonntag sozusagen 🙂

Ich hasse es, mich fremdbestimmen zu lassen. Immer diese ganzen Termine, Schule, Hort, Orchester der Kinder, Feuerwehrfeste und -Wettkämpfe etc pp…Dann will noch Besuch kommen. Das macht mich irre. Gefühlt rast mir die Zeit davon. Keiner weiß, wie es ist, sich auf DIESE Prüfung vorzubereiten. Keiner weiß, wieviel Stoff man da lernen muss. Keiner versteht, warum ich mich „jetzt schon“ so stresse und jedes Wochenende Klausuren schreibe.
Keiner kann nachfühlen, wie es ist, eine 6stündige Klausur zu schreiben und dann noch 8 Stunden dafür zu brauchen. Und dann noch die Hälfte falsch zu haben. Die meisten haben Null Vorstellung davon, was eine Klausur überhaupt ist. Jede „gestohlene“ Stunde stresst mich. Vielleicht übertreibe ich. Vielleicht könnte ich es lockerer angehen. Aber ich will am Ende nicht sagen „Hätte ich mal eher, intensiver, mehr…“ Und außerdem bin ich vom Sternzeichen Jungfrau. Die Perfektionisten schlechthin. Die, die alles planen, durchdenken und nichts dem Zufall überlassen.

Denn dieses 1 Stündchen, oder auch 2, die ich dann tatsächlich Zeit habe oder mir Zeit nehme, will ich für die Dinge verwenden, die mir gut tun und mir am Herzen liegen. Z.B. einfach mal in der Sonne liegen. Oder in meinem Garten arbeiten, Gemüse anbauen und pflegen, Unkraut entfernen, ernten. Denn keiner will oder kann das in der „Perfektion“ für mich machen. Auch wenn der Rest der Welt sein Gemüse lieber kauft, ich freue mich über jedes selbst gezogene und geerntete Stück. Und das ist für mich absolut keine überflüssige Tätigkeit. Das bringt mir Freude und Entspannung. Und wenn ich dann eben abends bis 22 Uhr an der Klausur sitze, weil ich bei dem schönen Wetter tagsüber mal was im Garten machen wollte, dann ist das eben so. Das war mir wichtig und ist dann auch richtig so.

Ich glaube, das Wort „Perfektion“ erscheint zu oft in diesem Text. Und in meinem Kopf…

Wie ist das bei euch so? Habt ihr das Gefühl, der Rest der Welt versteht euch? Sagt ihr im Gegensatz zu früher öfter „Keine Zeit“ oder nehmt ihr euch trotzdem Zeit für Freunde und Familie?

Zum Glück gibt es dann doch die Menschen, die das selber durchgemacht haben und es nachvollziehen können. Danke fürs Zuhören und aufmuntern!

Habt noch ein schönes Wochenende!

11 Gedanken zu „Kann das jemand verstehen?

  1. Hallo,

    ich bereite mich zwar aktuell nur auf die Steuerfachwirt Prüfung im Dezember vor, kann dich aber voll verstehen. Für Außenstehende ist es immer total schwierig, alles nachzuvollziehen und Rücksicht und Verständnis aufzubringen. Für alles muss man sich irgendwie rechtfertigen.
    Ich habe das große Glück, das mein Freund selbst auch als Steuerfachangestellter arbeitet und ich mich da zumindest in keiner Weise rechtfertigen muss und er immer das nötige Verständnis aufbringt und auch gerne Nachhilfe gibt.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück!

  2. Hallo, Deine Ausführungen treffen den Nagel auf den Kopf…. Man ist einfach kein Mensch mehr… Und permanent das Gefühl zu haben, es gäbe noch so viel zu lernen, noch so viel zu tun. Es tut echt gut zu wissen, dass man nicht der einzige ist, dem es so geht. Gruß und weiterhin viel Durchhaltevermögen.

  3. Hallo,

    irgendwie beruhigend, dass es nicht nur mit so geht. Ich bin noch ganz am Anfang der Vorbereitung, schreibe erst 2020/2021. Aber schon jetzt merke ich, wie mein Umfeld nur wenig Verständnis aufbringt und absolut nicht versteht, warum ich mich „so anstelle“. Ist ja schließlich nur eine Fortbildung. Besonders auf die Palme bringt mich die Aussage „wie, du bist nicht schon längst Steuerberaterin, ich dachte du hast das studiert…“.
    Naja ich hoffe, dass man sich mit der Zeit daran gewöhnt und die Familie etwas mehr Nachsicht mit mir zeigt :).
    Grüße, Anna

  4. Da bin ich ja beruhigt… Also stellen wir uns alle etwas an. Es ist auch ein Wahnsinn, was alles zu lernen ist. Haltet durch!

  5. Meine Lieblingsaussage eines Freundes:
    „Reicht es nicht, wenn du dir einfach 2 Wochen vor der Prüfing den ganzen Stoff ins Kurzzeitgedächtnis prügelst?“….

  6. Guten Morgen,

    niemand, der diese Prüfung nicht geschrieben hat bzw mal dafür gelernt hat, weiß, was für ein Riesenaufwand das ist. Das ist auch nicht vermittelbar.

    Aus meiner Erinnerung heraus hatte ich diese Probleme mit blöden Bemerkungen allerdings nicht. Man hat mich arbeiten lassen, wenn ich es wollte und private Termine waren auf ein Minimum heruntergefahren.

    Gleichwohl habe ich mich in meiner Freizeit auch nur mit Menschen umgeben, die mir gutgetan haben, der Rest hat sich dann von allein erledigt.

    Nur ein Erlebnis ist mir im Gedächtnis geblieben.
    Während des Studiums hatte ich jemanden kennengelernt, der zwei Semester nach mir angefangen, alle meine Aufzeichnungen und alle alten Klausuren bekommen hat, um sich vorzubereiten. Ich hatte das Gefühl, das sei ein Freund.

    Als ich mich zum Klausurenpräsenzkurs in Kiel eingemietet hatte (6 Tage die Woche 6h-Klausuren, dann Nachbereitung vom Veranstalter und abends private Nachbereitung) war gerade dessen Diplomarbeit fast fertig.
    Er hatte mich gebeten, diese (mit Sinn und Verstand) durchzulesen, Anmerkungen zu machen, mit ihm darüber zu diskutieren.

    Als ich das mit Hinweis auf meine derzeitige Situation abgelehnt hatte, war die Freundschaft zu Ende. Er hat nicht mal ansatzweise verstanden, dass das Gegenlesen einer Diplomarbeit mit meiner StB-Vorbereitung nicht vereinbar gewesen war.
    Es kam noch die Bemerkung, ich solle abends anstatt fernzusehen dann eben seine Arbeit lesen…

    Also soweit zum Verständnis…

  7. Moin zusammen!

    Ihr tut mir gerade richtig gut, mir geht das auch so –

    ich selbst habe einerseits das große Glück mit Ü30 noch etwas bei den Eltern zu wohnen, andererseits haben wir hier zu Hause einen kleinen Gasthof bei dem immer Hände zum mithelfen gewünscht sind!

    Viele meiner Freunde raten dauernd ich solle doch einfach den Beraterkursus abbrechen, wenn der so schwer wäre – warum sollte man sich das überhaupt antun –

    viele im Dorf sagen, man könnte doch besser in den Urlaub fahren als sich sowas ans Bein zu binden?!?!

    ………………………………. ich denke, man brauch da auch nicht jedem gerecht werden, nur wer sowas selbst schon erlebt hat, weiß worum es hier geht!

    Lasst Euch nicht unterkriegen – ich hoffe, ich bekomme das auch hin! 😉

    Starke Nerven uns allen!

  8. Hallo zusammen,

    ich bin hier ein Außenstehender, da ich diese Horrorzeit selbst nicht erlebe, aber mein Freund steht gerade vor seinem 3. Versuch. Ich glaube, dass zu dem hier diskutieren Thema „Umfeld und Verständnis“ mein Anliegen gut passt.
    Mein Freund redet zwar nicht so gerne über das was in ihm vorgeht, aber ich kann mir vorstellen, was gerade er gerade durchmacht und welcher Druck auf ihm liegt. Ich kannte ihn bei den ersten beiden Versuchen noch nicht, aber weiß, dass ihm Vieles in seinem Umfeld (auch landwirtschaftlich verankert, etc.) nicht die Ruhe, den Fokus und die Konzentration auf seine Prüfung ermöglicht haben, die er meines Erachtens gebraucht hätte. Wir haben jetzt öfter darüber gesprochen, dass seine Vorbereitung absolute Priorität haben muss und ich ihn gerne dabei unterstützen möchte. Er ist ein Mensch, der aufgrund von Pflichtbewusstsein anderen gegenüber immer mal wieder in Zwiespalt gerät.
    Wie dem auch sei, jedenfalls möchte ich ihn nun in seiner jetzt beginnenden Freistellung unterstützen wo es nur geht und er sagte nun auch, dass er das gerne annehmen würde. Dazu gehört für mich natürlich, dem anderen den Rücken freizuhalten (Haushalt, Einkauf, Kochen, etc.), einen Ausgleich zu schaffen, wo er mal abschalten kann und sich Ruhephasen gönnt, aber auch eine Art Kontrollinstanz zu sein (er lässt sich gerne ablenken). Ich bin selbst in einer WPG Vollzeit berufstätig, habe also so einen Bezug zu dieser Prüfungszeit und habe vollstes Verständnis, mich für diese Zeit hinten anzustellen.
    Für die Umsetzung wär euer Input sehr hilfreich. Habt ihr noch Tipps für mich? Was habt ihr euch von euren Partnern gewünscht, welche Unterstützung hat euch geholfen und was war eher kontraproduktiv?
    Vielen lieben Dank und ich hoffe, ihr seht es mir nach, dass ich diesen Blog als nicht direkt Betroffene crashe.
    Ich drücke euch allen fest die Daumen und hoffe, dass stark seid, „nein“ zu sagen!

    Viele Grüße
    Kathi

  9. Liebe Kathi,
    dein Freund steht mit dem 3. Versuch natürlich noch unter einem besonderen Druck. Ich finde es super, dass du als „Nicht-Prüfling“ hier Rat suchst. Ich bin ja verheiratet, habe 2 Kinder, Haus und Garten. Mir persönlich fiel und fällt es schwer, meine Aufgaben abzugeben. Als Mutter ist man ja der „inoffizielle“ Chef und Hauptorganisator :-). Deshalb hatte ich eine Zeit lang ein schlechtes Gewissen, meinem Mann auch noch meine Aufgaben „aufzudrücken“. Dabei war es so abgesprochen. Und immer, wenn er etwas genervt schien, habe ich das mir angelastet. Das tat nicht gut.

    Meine Empfehlung ist: Setzt euch zusammen, macht einen Plan und schreibt auf, was du wann für ihn tun kannst. Frag ihn, wie du ihm helfen und ihn motivieren kannst. Wenn ihr zusammen wohnt, macht einen Putz- und Haushaltsplan. Er kann trotz der Vorbereitung helfen, das gibt ihm auch wieder ein gutes Gefühl, dir nicht alles aufzuhalsen. Es ist nur gut, wenn es genau geplant ist, wann wer was macht. Gib ihm nicht das Gefühl, dass es dich belastet, sag ihm immer wieder, dass du es gern und freiwillig tust, so dass er deswegen kein schlechtes Gewissen haben muss. Und zum Pflichtbewusstsein anderen gegenüber, das muss er jetzt mal ablegen. Nein sagen will gelernt sein, ein bißchen Egoismus ist aber gesund. Und jetzt erst Recht. Das muss der Rest verstehen bzw. wenn sie es nicht verstehen, deren Problem.

    Wenn er dann wirklich konsequent gelernt und gearbeitet hat, belohnt euch am Wochenende. Geht abends essen, spazieren, schwimmen. Schon 2 Stunden raus aus dem Haus und Weg vom Schreibtisch tun so gut. Feiert jede erfolgreich hinter euch gebrachte Woche.

    Ich wünsche euch alles Gute!

  10. Hallo Mandy,

    Ich lese interessiert dein Blog.
    Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es dir geht. Ich sitze (oder saß) nämlich im gleichen Bott, wenn man so sagen kann.
    Ich bin Ü40, habe drei Kinder (zurzeit 8, 12 und 13 Jahren alt), ein Haus mit dem Garten und den Mann im Schichtdienst (ab Sommer auch mit der Nachtschicht, brrr). Ach ja die Jungfrau bin ich auch noch. Ich arbeite zwar nur 20 Sdt./Woche, aber die täglichen „Pflichtarbeiten“ nehmen die restliche Zeit in Anspruch.
    Ende September 2017 habe ich mit dem Fernkurs beim Haas angefangen. Zur Prüfung wollte ich dieses Jahr antreten. Leider hatte ich keine Zustimmung/Rückendeckung seitens meines Mannes, so dass ich versucht habe, wie immer, alles unter einen Hut zu bringen. Leider habe ich mich wohl überschätzt. Die Feiertage (Weihnachten, Ostern), Kindergeburtstage… ich kam mit dem Lehrstoff kaum hinterher. Das hat alles nur demotiviert. Dazu kam noch, dass ich ewig für die Übungsaufgaben gebraucht habe (deutsch ist leider nicht meine Muttersprache). Irgendwann konnte ich, den immer mehr werdenden Stapel mit den Heften, nicht mehr sehen. Es war auch Zeit, dass ich das Tema Steuerberater auf den Nagel gehängt habe und über den Berufswechsel nachgedacht.
    Nun jetzt nach einem Jahr Pause kommt mein Wunsch den Titel zu erwerben wieder zurück. Die Hefte vom Haas bekomme ich noch weiterhin geliefert und sie warten darauf bearbeitet zu werden. Seit drei Tagen lese ich alle Beiträge der neuen Blogger, habe aber noch nicht alles durchgelesen. Ihr wart mit dem Schreiben ja sehr fleißig 😊.
    Die Prüfung muss ich natürlich auf nächstes Jahr verschieben und mir eine neue Strategie entwickeln.
    Euch allen wünsche ich noch weiterhin viel Durchhaltevermögen.

  11. Liebe Xenia, das klingt, als hättest du dich bereits zu einem neuen Angriff entschieden?! Dazu gratuliere ich dir! Du würdest dich sonst immer fragen, ob du es geschafft hättest. Mach es, wenn es dein Herzenswunsch ist. Gerade in unserem Alter, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind, wächst der Wunsch nach neuen Herausforderungen. Kann oder will dein Mann dich nicht unterstützen? Vielleicht kannst du ihn davon überzeugen, wie wichtig es dir ist. Wenn wir Mütter und Ehefrauen uns plötzlich noch mal aufmachen, „Karriere“ zu machen, macht das dem ein oder anderen Mann vielleicht auch Angst. Könnte ja sein, dass wir dann so viel Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit tanken, dass wir sie nicht mehr „brauchen“… Vielleicht machst du noch einen Wochenendpräsenzkurs? Obwohl m.M.n. das Wichtigste das Klausuren schreiben ist. Ich habe auch nicht geschafft, alle Lehrbriefe durchzuarbeiten. Den Rest erarbeite ich mir dann eben über die Klausuren. Auch wenn man dadurch dafür länger braucht. Du könntest mit einem Klausurenvorbereitungskurs z.B. von Knoll starten. Der beginnt glaube ich demnächst wieder. Dann nächstes Jahr ab Februar die langen Klausuren. Wenn du jetzt damit anfängst, wird es auch nicht ganz so stressig. Zur Not schreibst du eben erst 2021. Ich drück dir für die Entscheidungsfindung die Daumen und wünsche dir Verständnis und Unterstützung deines Mannes!
    Liebe Grüße

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