Motivation – Ein Schlüsselelement

Letzte Woche war ich auf dem Geburtstag eines ehemaligen Kommilitonen. Es war schön mal wieder die Leute aus meinem Studium wiederzusehen und zuhören wie ihre beruflichen und persönlichen Wege sich entwickelt haben.

Fast alle der Anwesenden hatten im Studium den Schwerpunkt Rechnungswesen und als Vertiefung Steuerrecht gewählt. Witzigerweise bin ich der einzige, der dem Steuerrecht treu geblieben ist und sich an der Examensprüfung die Zähne ausbeißt.

Es kam wie es kommen musste und irgendwann stellte jemand die berühmte Frage, die ihr alle bestimmt schon 100 Male gehört habt: „Warum tust du dir das an?“

Für Außenstehende scheint die Anmeldung für das Steuerberaterexamen einer Selbstgeißelung gleich zukommen.

Für mich war die Sache eigentlich in dem Moment klar, indem ich mich für eine Karriere im Steuerrecht entschied. Ich dachte: entweder ganz oder gar nicht. Der Steuerberatertitel bietet einem einfach die meisten Möglichkeiten (z.B. Selbständigkeit, Dozententätigkeit).

Etwas sportlicher Ehrgeiz spielte natürlich auch eine große Rolle. Ich will einfach sehen, ob ich in der Lage bin eine der schwierigsten (manche sagen die schwierigste)  Prüfungen in Deutschland zu bestehen.

Auf dem Weg dahin kommt man natürlich immer wieder an seine Grenzen und zweifelt an sich und ist streckenweise auch geneigt alles hinzuwerfen.

Als Motivation habe ich mir meine Ziele auf einem Zettel aufgeschrieben und gut sichtbar an meinem Arbeitsplatz aufgehangen. Zusätzlich hab ich das Schreiben der Prüfungsstelle von meinem Erstversuch immer griffbereit. Jedes mal wenn ich da drauf gucke denke ich mir: Es war so knapp, mit etwas mehr Glück (und Übung) klappt es!

Mich würde mal interessieren was ihr für Reaktionen von eurem Umfeld erfahren habt und wie ihr damit umgeht. Vor allem interessiert es mich wie Ihr es schafft eure Motivation hochzuhalten.

Sonnige Grüße

19 Gedanken zu „Motivation – Ein Schlüsselelement

  1. eine akademische Prüfung ist es allerdings nicht, da sie nicht an einer Uni/HS abgelegt bzw. von einer gestellt wird 🙂

  2. und außerdem ist es bei weitem nicht die schwierigste Prüfung…1,5 Jahre lernen und man hat sehr gute Chancen (meist etwas über 50%)…
    Schwieriger sind m.E.: Medizin (auf die Dauer viel mehr Stoff), Jura (4 Jahre nach dem alles oder nichts Prinzip in 6 Klausuren durchhauen), und das WP-Examen (StB macht nur 2 von 7 Prüfungen aus…)
    Bestätigt wird meine Aussage durch die Durchschnittsgehälter von Ärzten/Juristen/WPlern im Vgl. zum StB (immerhin gut genug).

  3. @Nett
    Die Durchfallquoten der Abschlussprüfungen liegt bei 5 bis 15%. Wie kommst du zu der Aussage, dass Medizin schwieriger sei als die Steuerberaterprüfung?
    Hast du dich ernsthaft jemals mit der Durchfallquote dieses Studiums beschäftigt?

  4. @Nett: Das vergleichst du mMn Äpfel mit Birnen. Medizin und Jura sind Studiengänge, bei denen man sich über Jahre Vollzeit vorbereiten kann. Für den Steuerberater läuft es ja bis auf die kurze Freistellung berufsbegleitend. Und die Bestehensquote scheint mir bei den Studiengängen auch hoch genug zu sein, dass die 50% aus dem Beraterexamen mindestens vergleichbar ist.

    Höchstens das WP-Examen ist meines Erachtens vergleichbar. Aber das ist, mir zumindest, deutlich leichter gefallen, weil es nicht so starr gewesen ist. Aber das ist nur meine persönliche Erfahrung.

  5. Die Debatte, was schwieriger ist, ist immer müßig und kommt sehr auf die individuellen Voraussetzungen an. Sicher hat jemand im Vollerwerb an der StB-Prüfung stärker zu knacken als bei den meisten anderen Prüfungen/Examen, die im Vollzeitstudium absolviert werden. Da liegt die Schwierigkeit aber dann insbesondere an der individuellen Lebenssituation. Außerdem ist es immer ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen – die Schwierigkeit kann schlicht nicht an einem für alle Prüfungen geltenden und objektiven Maßstab gemessen werden.
    Ein Kollege ist RA und hat bereits zwei nicht erfolgreiche StB-Prüfungen hinter sich, der andere hat vor 10 Jahren Steuerfachangestellter gelernt und ist mit 3,x im Erstversuch durch. Daran sieht man, wie individuell die Beurteilung der Schwierigkeit ist…
    Wogegen m. E. aber keiner was einwenden dürfte: „eine der schwierigsten Prüfungen“ – neben Med., WP, RA, etc. 😉

  6. Ja sowas ist ja immer subjektiv. Wenn man die Leute die bestanden haben vor und nach der Prüfung fragt bekommt man ja auch unterschiedliche Meinungen was die Schwierigkeit der Prüfung angeht, daher auch die Klammern da es immer auf den Betrachter ankommt.

  7. Es ist ein Staatsexamen, das kommt dann Jura, Medizin etc. schon sehr nahe.
    @ Nett: was für ein Käse. Sorry…
    Es ist doch beim StB Examen nicht mit 1,5 Jahre lernen getan.
    Da musste man doch VORHER, um überhaupt zugelassen zu werden, schon studiert haben oder berufsqualifiziert gewesen sein, was ja auch schon lernen, lernen, lernen bedeutet hatte.
    Medizin ist nicht schwerer, Jura auch nicht, was für ein Käse…warum fallen sonst RAE durch das STB-Examen?
    Bist du etwa Steuerberater? Also das mit dem Gehalt ist auch so nicht ganz richtig…

  8. @Nett Danke, ich musste über diesen naiven Kommentar sehr Lachen 🙂

    Am Ende des Tages stellt sich doch die Frage wie wir den Schwierigkeitsgrad der oben genannten Prüfungen messen wollen. Man braucht sicher kein IQ über 120 für den StB / WP / Jura-Prädikat / Medizin. Fleiß spielt da sicher eine größere Rolle. Aber soll Zeitaufwand nun ein Maßstab für die Komplexität sein?

  9. @nett ist definitiv ein ex-Anwärter welche 3 mal durchgefallen ist 😀

  10. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten:

    Staatsexamina Jura ist die psychische Belastung ungleich höher, weil der „Endgegner“ über Jahre noch viel präsenter vor einem steht. Spätestens ab dem zweiten Semester machen die Kommilitonen sich angesichts des herannahenden Examens gegenseitig verrückt. Über das Studium und Referendariat, d.h. 7 Jahre + x, dreht sich alles fast ständig um Jura: Die nächste Probe-Klausur steht immer vor der Tür; erst die letzten Monate der Examensvorbereitung sind aber mit der heißen Phase beim StB zu vergleichen.

    Stoffumfang Jura ist sehr viel größer, StB-Examen wird viel berufspraktischer und mehr genaues Detailwissen geprüft. Beim StB ist der Stoffumfang zumindest in den Klausuren im Vergleich zu Jura relativ genau eingegrenzt: Es wird Steuerrecht geprüft und darüber hinaus weis man ziemlich genau was dran kommen kann. StB-Klausuren sind, aus Sicht des Juristen bzw. im Vergleich zu den jur. Staatsexamina, in der Bearbeitungstechnik vergleichsweise schematisch, fast reine Wissensprüfung. Bei denen wird alles im AO-Stil abgeprüft.

    In der Vorbereitung gibt es interessante Unterschiede: Bei den juristischen Staatsexamen beträgt die eigentliche Prüfungsvorbereitung idR 15-18 Monate Vollzeit, Steuerberater deutlich kürzer bzw. Teilzeit. Steuerberater-Anwärter verfügen im Vergleich zum Jura-Studenten/Rechtsreferendar über erhebliche finanzielle Mittel, da werden ganz andere Hausnummern aufgerufen. Trotz Hemmer, Alpmann etc. dürfte die kommerzielle Vorbereitung auf den Steuerberater deutlich professionalisierter sein.

    Schwierigkeitsgrad des Abschlusses insgesamt kann man nicht pauschal sagen, das sind einfach zu viele Faktoren die da mit rein spielen. Die Anforderungen sind einfach zu unterschiedlich. Und wenn man dann noch die Faktoren Vorbereitung/Begabung/Vollzeit/Teilzeit/Studium gewichten will, dann wird es unseriös.

    An der Bestehensgrenze dürften die intellektuelle Anforderungen vergleichbar sein, die StB-Anwärter dürften nach meinem Eindruck in dem Randbereich Bestehensgrenze besser auf die Prüfung vorbereitet sein.

    Und bei den jur. Staatsexamen ist von der Bestehensgrenze zum Target 9 Punkte + x noch sehr viel Luft 🙂 .Das ist dann intellektuell nochmal eine andere Nummer.

    Lieber einen 4,0 StB als einen 4,0 Voll-Juristen 😀

  11. @fs Ich würde Dir in vielen Punkten zustimmen, aber die Aussage
    „die StB-Anwärter dürften nach meinem Eindruck in dem Randbereich Bestehensgrenze besser auf die Prüfung vorbereitet sein“ geht in Richtung von Nett’s Aussage und ist meiner Meinung nach so nicht haltbar.

    Ich vermute, dass das Jura- und das Medizinexamen eine höhere Bestehensquote als das StB Examen aufweisen. Das Juraexamen mit Prädikat zu bestehen hat ggf. eine niedrigere Quote!

    Wie Seb oben schon sehr zutreffend geschrieben hat ist die Debatte müßig, aber ..

    „Staatsexamina Jura ist die psychische Belastung ungleich höher, weil der „Endgegner“ über Jahre noch viel präsenter vor einem steht. Spätestens ab dem zweiten Semester machen die Kommilitonen sich angesichts des herannahenden Examens gegenseitig verrückt. Über das Studium und Referendariat, d.h. 7 Jahre + x, dreht sich alles fast ständig um Jura: Die nächste Probe-Klausur steht immer vor der Tür; erst die letzten Monate der Examensvorbereitung sind aber mit der heißen Phase beim StB zu vergleichen.“

    Ja, die psychische Belastung der Jurastudenten ist verglichen mit einem BWL Bachelor ggf. höher. Wer aber als BWLer Bachelor und Master plus praktische Tätigkeit plus den Schmerz der Steuerberatervorbereitung absolviert hat, hat auch über viele Jahre psychischen Druck standgehalten. Insofern sind solch pauschale Aussagen schwierig.

    Den psychischen Druck der Medizinstudenten kann ich nicht so gut einschätzen, würde aber vermuten, dass der nicht geringer ist als bei Jurastudenten. Man munkelt, dass in Medizin von Anfang an über viele Jahre wahnsinnig viel stumpf auswendig gelernt werden muss und der Druck vor jeder Prüfung höher ist. Auch bei BWLern ist der Druck ggf. höher, weil alle Prüfungen in die Abschlussnote mit reinspielen. Bei Jura kann man auch ein paar Jahre pimmeln, weil die Noten bis zum Examen nichts zählen…

    Ich würde dir zustimmen, dass 9 Punkte+ in Jura ein höheren Intellekt und mehr Glück als das StB-Examen erfordert. Man muss bei Jura aber auch bedenken, dass sich abseits von sehr beliebten Unis einige Leute mit einem schwachen NC in das Studium eingeschrieben haben, die mangels Fleiß oder mangels Intellekt kein hervorragendes Abi gemacht haben und insofern kann man sich von denen natürlich auch leichter abheben als von anderen Steuerberateranwärtern oder Medizinstudenten, wo das Grundniveau an Fleiß, Ehrgeiz und Intellekt meiner Meinung nach schon recht hoch ausgeprägt ist.

  12. @fs vielen Dank für deinen ausführlichen und sehr interessanten Beitrag!

  13. Interessant was aus so einem Beitrag entsteht. War noch nicht einmal der Kern des Textes 😀 .

  14. @Richard, das war vorprogrammiert 🙂

    Sobald man den Anspruch seiner Ausbildung, seines Jobs, seiner Hochschule etc. betont, verhärten sich die Fronten. Du konntest sicher auch die Diskussion um den Anspruch der letzten Prüfungsjahre hier im Forum verfolgen – einige konnten ja anhand von 10 Noten hier im Forum schon festmachen, dass die Prüfung 2018 quasi geschenkt war. Da geht die Objektivität schnell mal flöten. Mache Teilnehmer fühlen sich sogar regelrecht persönlich beleidigt, wenn man Ihnen nicht attestiert, das absolut Unmögliche geschafft zu haben 😀

  15. @all
    Danke für den Austausch…Wieso ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen? Zugegeben, in Medizin weiß ich nicht inwieweit es auf die „letzte Abschluss Prüfung“ ankommt. Aber Jura und StB Examen sind genau 3 bzw. 6 Tage, alles oder nichts. Und wir Ihr schon sagt: keiner studiert Jura mal nebenbei…wieso? Weil es nicht klappt! Wieso klappt es nicht? Weil es viel zu viel Stoff ist der gekonnt werden muss. Wir haben auf Arbeit gefallene „Sterne“ die 5 Jahre Jura studiert
    haben, aber ohne Abschluss rauskommen. Und es gibt einige Steuerberater in der WP-Branche die im beruflichen Alltag nichts mit Steuern zu tun haben und es durch Fleiß und Schemata mit 3-4 Monaten Freistellung hinbekommen haben. Habt Ihr schon mal von einem gehört der 3-4 Monate für den ganzen Jura Stoff gebraucht hat? Also ich nicht.

    @Steuertante: lieber das als Tante sein;)
    @Claudia: Als ob man das Wissen über Porters Five aus der BWL im Steuerrecht gebrauchen kann…sorry, aber alles was drei Jahre zurück liegt ist sowieso wieder vergessen.
    @yolo: gern geschehen;)

  16. @Steuerente: Du darfst nicht den NC außer Acht lassen. In meiner Stadt liegt der bei 1,2 Abitur. Die Note spiegelt sicherlich nicht die Intelligenz wider, aber definitiv die Wettbewerbsfähigkeit…und genau auf die kommt es an.
    Beim StB hingegen darf jeder ran…selbst Hauptschüler (ohne Wertung)

  17. Hallo liebe Steuerberater-Anwärter! Hallo Richard!

    Danke für die interessante Diskussion – ich finde die immer spannend

    – mir persönlich hätte neben Jura, Medizin und Steuerrecht noch Leramt und das damit zusammen hängende Ref gefehlt – auch hier hatte ich im privaten Leben schon mal die Diskussion, ob das nicht doch schwieriger sein könnte …….

    Ich persönlich finde den Vergleich zwischen Medizin, Steuerrecht und Zivilrecht & Co. fast unmöglich ………..

    – weil gerade der Steuerberatertitel die Weiterbildung ist, die man schrittweise auf verschieden Wegen geht

    – der Erste kommt von der Finanzverwaltung, der zweite hat gerade seinen Fachwirt in der Tasche und der Dritte hat vielleicht BWL studiert – dann die Arten der Vorbereitung mit Fernstudium und Samstagslehrgang

    – auch fast unmöglich in meinen Augen, die einzelnen Anwärter zu vergleichen!

    Nun noch ganz kurz zur Eingangsfrage:
    @Robert: Viele meine Freunde können nicht ganz nachvollziehen, warum ich mir einen Samstagslehrgang antue, ich komme aus einem kleinen Dorf in dem es viele kleine Vereine und Cliquen gibt, die gefühlt immer ehr daran denken, das Leben möglichst angenehm zu gestalten

    – da wird man dann komisch angesehen, wenn man einmal auf eine schöne Party verzichtet, weil man lernen muss oder einmal Freitags ehr nach Hause geht, da Samstags Schule ist

    – andererseits kommt sicher auch eine Zeit nach dem Lernen wo wir vieles nachholen (das ist schon die erste Motivation für mich)!

    Mich motivieren außerdem immer kleine Lernerfolge (das AHA – Erlebnis) oder wenn mein Zeitplan (mit Lernen, Arbeiten, Freunde treffen) einigermaßen aufgeht!

    Die Sache mit dem Zettel finde ich sehr gut bei Dir – vielleicht mache ich das auch!

    Uns allen weiterhin viel Erfolg – und – viel Motivation!

  18. @ Nett: bei den Anwärtern mit vorherigem Studium meinte ich auch nicht die BWLer, die hatten, wie ich in meinem Kurs fand, die wenigsten Grundlagen und teilweise die größten Schwierigkeiten mit der Prüfung (bin selbst seit letztem Jahr StBin), da hast du schon Recht.
    Ich meinte eher die Finanzbeamten mit Studium in Nordkirchen mit “vorher lernen, lernen, lernen“ oder die Steuerfachwirte und Bilanzbuchhalter.
    Die Grundlagen für das Steuerrecht (RAP, Bilanzierungsregeln, HGB, Einkunftsarten und Ermittlung derselben) kurz: die Zusammenhänge müssen nicht immer topaktuell sein, da kann man auch einiges aus den Jahren, was man vorher gelernt hat gebrauchen.
    Bei dem Rest muss ich dir wieder zustimmen, alles was älter als drei Jahre ist, weg damit, kann man nicht gebrauchen…

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