In genau einem Monat…

… laufe ich ins Ziel meines Langstrecken Marathons. So kann man meine Reise bis hier her ganz gut beschreiben. Immer wieder aufstehen, Blasenpfaster aufkleben, den Schmerz betäuben bis er endlich abklingen kann.

Das Ziel ist jetzt in Sicht, jetzt weiß man endlich wieder wofür man nochmal alles gibt. Man sieht die Möhre am Ende der Angel.

…kurz vom Ziel

Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass jetzt alles ganz einfach ist, man muss sich immer immer wieder selbst motivieren und fokussieren.

Wie läuft aktuell meine Vorbereitung:

Karteikartentraining: 2 – 3 Mal die Woche mache ich eine Karteikarten Runde (ca. 1 – 1,5 Std) mit meiner neuen Lernpartnerin. Wir lesen uns die Frage vor und sprechen einfach drauf los. Wir erwarten nicht die Antwort wie aus der Pistole geschossen, wir machen es wie in der echten Prüfung und lernen das Sprechen. Sprechen ohne gleich zu sagen „ich hab keine Ahnung was die Frage bedeutet“ .

Das macht mehr Sinn als stumpf Definitionen auswendig zu lernen. Es sind einfach zu viele Definitionen.

Vortragstraining: 2 – 3 Mal die Woche halte ich meinem Kollegen über Teams 1 – 2 Vorträge. Er ist selbst diese steinigen Weg bereits gegangen und ist Ende letzten Jahres Wirtschaftsprüfer geworden. Er war auch meine Motivation das WP Examen zu starten. Er gibt mir ehrliches Feedback und gibt mir durch die Zeit die er mir von sich aus schenkt so viel Support.

Sonntags treffe ich meine Vortragslerngruppe und bin wirklich happy diese wundervollen Mitstreiter gefunden zu haben. Alle motiviert und vowärtsgehend. Auch sie haben Mitstreiter auf dem Weg verloren und reden mit den wärmsten und respektvollsten Worte von ihnen (@Anna ♡) Jeder arbeitet so 1 – 2 Vorträge aus, wir halten uns die dann gegenseitig (sind 5 Personen) und geben uns respektvoll und aufmerksames Feedback. Bald gehen wir in die Prüfungssimulation und bereiten vor Ort jeder ein Thema aus.

Vorträge ausarbeiten: da ich 2 Mal die Woche einen längeren Anfahrtsweg habe, mache ich auf dem Weg zum Mandanten Mindmapping zu Vortragsthemen. Diese arbeite ich dann an meinem Lerntag (Freitag) aus. Dazu nutze ich gerne den WLW Themengenerator. Wobei ich sagen muss, manche Themen sind für Berliner Bedinungen nicht gut zu gebrauchen. Da ohne Gesetz nicht machbar.

Ich mach es auch noch nicht ganz frei. Also Mindmapping schon, manchmal nehme ich das Gesetz. Und wenn ich unsicher bin werde ich ein Blick in ein Vortragsbuch um zu schauen: hab ich das Thema verstanden.

Nichts ist so schlimm, wie am Thema vorbei zu sein. Und das kann leider echt passieren.

Es gibt Tage, da bin ich sehr zufrieden. Und dann gibt es Tage da ärgere ich mich:

  • das ich nicht genug Nachrichten schaue (da echt keine Zeit morgens und abends. Ich hab Kinder. Ich gehe meist sogar mit ihnen schlafen).
  • das ich mein Ziel 2 – 3 Vorträge pro Tag nicht schaffe
  • das ich nicht genug Zeit habe alle Protokolle zu analysieren. Und das der Tag zu wenig Stunden hat.

Dennoch bin ich jeden Samstag und Sonntag ab 7 Uhr im Büro zum lernen. Ich kann gar nicht mehr machen als ich gerade tue. Und es wird immer das Gefühl da sein: nicht genug Zeit, nicht genug Stoff ins Köpfchen zu bekommen.

Das zu ertragen ist oft das schwerste daran.

In knapp 2,5 Wochen beginnt meine Freistellung. Dann habe ich ein paar Tage frei und kann mich noch mehr fokussieren.

Es wird alles gut!

In diesem Sinne sitze ich jetzt wieder im Büro am Schreibttisch und lerne, ehe ich meine Vortragsgruppe heute Mittag treffe.

Wie geht es euch? Wie läuft bei euch die Vorbereitung?

9 Gedanken zu „In genau einem Monat…

  1. Viel Erfolg Sarah!

    Ich bin bereits in 2 Wochen mit meiner mündlichen Prüfung dran. Was für Tipps könnt ihr mir geben? Meint ihr, dass es sich noch lohnt, die Karteikarten von NWB anzuschaffen oder sollte ich jetzt wirklich nur noch Kurzvorträge üben?

    Aktuell habe ich das Gefühl, dass ich viel Wissen aus der schriftlichen Steuerberaterprüfung auch wieder vergessen habe.

  2. Was ich tatsächlich sehr hilfreich finde, ist das Aufarbeiten von Prüfungsprotokollen. Diese werden ja von diversen Anbietern im Rahmen der Vorbereitungskurse angeboten.
    Ich gehe diese Fragerunde für Fragerunde durch, und beantworte die darin aufgeführten Themen stichpunktartig bzw. schlage sie ggfs. im Gesetz oder meinen Aufzeichnungen nach.
    So bekommt man a) ein Gespür für die abgefragten Themen und b) wiederholt sowohl die „neuen“ Themen wie VWL, Berufsrecht etc. als auch die Steuerthemen.
    Zusätzlich natürlich Kurzvorträge halten, sich über Aktuelles (Rechtssprechungen etc.) informieren und ich übe auch gerne mit den NWB-Karteikarten oder selbst angefertigten Karten.
    Viel Erfolg!

  3. Hallo ErstVersuch96,

    ich empfehle dir auch noch das Folgende:

    – NWB Karteikarten lohnen sich definitiv.
    – Vorträge üben, insbesondere vor Leuten (Familie, Freunde); unbedingt Echtbedingungen schaffen, d. h. unter anderem, dass dir 3 zufällige Themen zur Auswahl gegeben werden. Dann musst du auch mal durch Themen, die dir absolut nicht liegen.
    – Die Bücher rund um die StB-Prüfung vom HDS Verlag sind extrem gut.
    – Lies unbedingt aktuelle Steuernachrichten. Grandios finde ich dafür den NWB-Livefeed. Wenn du den bis zur Mündlichen täglich liest bzw. durchschaust, wird dich nichts bzgl. aktueller Themen überraschen.
    – Finde einen Weg, wie du deine Nervosität in den Griff bekommst. Ich bin eigentlich nicht der Typ für sowas, aber das Video hier
    https://www.youtube.com/watch?v=b2ij_tskb4Q
    war für mich ein echter Gamechanger. Ich konnte mich damit kurz vor der Prüfung so extrem beruhigen, dass ich fast schon entspannt in den Vortrag und auch in die Fragerunde gegangen bin. Und ich hatte die Vornote 4,5. Also bei mir ging es echt um alles.

    Gruß und viel Erfolg!

  4. Also ich finde das Wichtigste ist, dass man die Themen der schriftlichen Prüfung wieder beherrscht und „tief“ drinnen ist sowie zusätzlich die neuen Themen wie Berufsrecht, Zivilrecht und BWL/VWL kann.
    Mit dem Wissen sollte man dann sowohl in der Lage sein mit den Kurzvortragsthemen was anfangen zu können als auch die Fragerunden zu überstehen.

    Nur Kurzvorträge üben bringt m.E. nichts, wenn damit nicht 90% des Stoffes abgedeckt bekommt. Und den ganzen Stoff nur anhand von Kurzvorträgen wieder aneignen, klappt für mich zeitlich nicht, da pro Kurzvortrag (Unter-Unterthema) ja schon mindestens 40min drauf gehen.

    Den Kurzvortrag verkackt man ja eigentlich nur, wenn man Themen hat, mit denen man nichts anfangen kann, oder massive Probleme hat, vor anderen Leuten zu reden. Und wenn man mit den 3 Themen nichts anfangen kann und sich improvisiert einen abstammeln muss, bringt es auch nichts wenn ich davor 1000 Kurzvorträge geübt hab. Ich konzentrier mich daher voll auf Stoffwiederholung + Wissensaneignung der Neuerungen und neuen Themen. Kurzvorträge komme ich in der Vorbereitung planmäßig nur auf etwa 20 Stück.

    Aber das ist auch nur meine Meinung und mein Ansatz.

  5. Du bereitest dich schon sehr gut vor. Ich hatte vor 4 Jahren meine mündliche Steuerbraterprüfung. Bin mit 4,16 rein in NRW. Ich habe Protokolle gelernt (in NRW kannten wir unsere Kommission vorab nicht, so dass ich alle Protokolle gelernt habe, die ich bekommen konnte) und natürlich auch Vorträge gelernt. Hier habe ich täglich vor meinen Chefs einen Vortrag gehalten und zwei Mal täglich vor meinem Freund. Ich habe dann meine Vortragsbücher denjenigen, denen ich den Vortrag gehalten habe, gegeben und die haben daraus 3 Themen ausgesucht. Davon musste ich dann eins vorbereiten. Ich habe das unter Prüfungsbedingungen gemacht – also max eine halbe Stunde vorbereiten und dann den Vortrag gehalten.

    Meine Erfahrungen in der Prüfung waren dann aber folgende:
    Ich hatte Glück, dass ich ein gutes Vortragsthema hatte, das mir lag. Gut war sicher auch, dass wir vier Leute waren und jedes der drei Themen einmal genommen wurde so dass die Komission nur ein Thema doppelt hören musste. Ich habe in meiner Vorbereitung die Vorträge immer so angefangen, dass ich gesagt habe „Sehr geehrte(r) Frau (Herr) Vorsizende(r). Ein Mitprüfling aus meiner Gruppe in der Prüfung sagte dann: Oh, da sitzen ja nur Männer, ich hab bisher immer sehr geehrte Damen und Herren gesagt, wenn ich Vorträge geübt habe. Hätte die Kollegin das nicht gesagt, hätte ich meine Kommission ausschließlich bestehend aus Männern auch mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ begrüßt. Man ist ja doch sehr aufgeregt in der Prüfung.
    Meine erste Fragerunde war USt/AO. In USt kam was zum Reihengeschäft dran, was ich recht gut konnte. Da gab es damals eine Änderung, so dass dies in der Vorbereitung sehr ausführlich besprochen wurde. Bei AO sahen wir alle nicht so sehr glücklich aus. In der Runde mit Ertragssteuern ging es um die Nachfolge – ein StB wollte die Kanzlei an seine Tochter (auch StB) geben und was man für Möglichkeiten hätte. Es kamen auch ein paar kleine Lohnsteuerthemen dran. Ich konnte da generell nicht sehr viel sagen. Bei Bilanz (eigentlich etwas was ich gut konnte, da ich ja mehr im Bereich Prüfung als Steuern tätig bin) ging es um Geldwäsche und was man da für Pflichten hat, wenn man einen Mandanten, bei dem man das Gefühl er wasche Geld hat. Da waren wir auch alle gleich ratlos. Erbschafts- und Schenkungssteuer lief auch bei allen nur sehr schleppend. Jura und VWL waren dann für mich wieder sehr gut (ich bin kein Jurist, aber es wurde zu Geschäfts- und Deliktsfähigkeit gefragt, was ich in Schule und Uni und Ausbildung schon mehrfach gehört hatte) und bei VWL war auch mehr allgemeinwissen abgefragt – da sahen aber die anderen nicht so gut aus. Da ich nur in USt, VWL und Jura glänzen konnte und auch niemand schlechter als ich vorbenotet war (wir waren zwei mit 4,16, einer mit 3,5 und eine mit 2,5) hatte ich echt Sorge zumal bei mir oft auch kurz Gefragt wurde und wenn ich das nicht so wusste, dann ging die Frage sofort weiter an die Kollegin, die auch 4,16 hatte und bei ihr wurde immer nochmal nachgefragt. Mein Gedanke war, die haben mich schon durchfallen lassen.
    Wir haben zum Glück alle 4 bestanden.

    Was ich mit diesem langen Text sagen will ist: Ich glaube man kann sich nicht so richtig auf die Prüfung vorbereiten. Die Basics sollte man drauf haben und Vorträge sollten geübt sein. Ansonsten geht es denen (so war mein Eindruck) viel mehr darum, dass man suverän mit der Situation umgeht. Immerhin soll ja auch geprüft werden, ob man diese Kandidaten künftig „auf Mandanten los lassen“ kann.

    Ich bin auch WP und ich fand die mündlichen Prüfungen im WP generell angenehmer aber nichts desto trotz, kann ich nichts negatives über die Kommission im Steuerberaterexamen sagen.

    Kämpft bis zur letzten Frage, gebt euer Bestes. Mehr könnt ihr nicht tun. Leitet die Fälle laut her, lasst die Prüfer an euren Gedanken teil haben.

    Und Sarah was das Nachrichten gucken angeht: Es reicht ja auch, Nachrichten per App zu konsumieren. Ich weiß nicht ob du dich in Berlin mit der S-Bahn fotbewegst, aber das wäre ja ein guter Ort Nachrichten zu lesen. Aber auch bei diesem Thema denke ich, dass man alles irgendwie zumindest mal gehört hat und mitreden kann.

    Ich wünsche euch viel Erfolg für die mündlichen Prüfungen. Kämpft und gebt nicht auf. Bewahrt einen kühlen Kopf und lasst euch nicht verunsichern. Das härteste an der mündlichen Prüfung ist die Konzentration über so einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Ihr wisst unglaublich viel. Alles könnt ihr nicht wissen. Ihr könnt nur euer Bestes geben.

  6. Hat hier jemand Erfahrungen zu den WLW FAQs für die mündliche Prüfung? Die sind ja doch recht teuer im Vergleich zu den einschlägigen Büchern

  7. @MündlichePrüfung24 Ich hatte mir die Audiodateien zu den WLW FAQs gekauft. Das sind längere Audiotracks zu bestimmten Themenblöcken. Nach den Fragen habe ich die Tracks gestoppt und diese für mich beantwortet und danach die Musterantwort angehört. Ich wollte damit dieses Frage-Antwortspiel üben.

    Die Antworten sind sehr ausführlich. Und es gibt sehr viele Dateien. Ich habe es nicht geschafft alles Dateien anzuhören. Als Ergänzung zu Vorträgen und Simulationen aber m.E. ganz sinnvoll.

    (Die Bücher zur Vorbereitung auf die Kurzvorträge von NWB und HDS Verlag kann ich ebenfalls empfehlen.)

  8. Hallo Sarah, klingt doch gut. Habe damals auch nur auf dem Arbeitsweg Vorträge geübt. Geht prima und alle um mich herum im Straßenverkehr haben auch überlebt.

  9. Liebe Sarah,
    ich wünsche dir für die letzten Wochen weiterhin so viel Durchhaltevermögen. Wobei, Durchhaltevermögen hast du längst bewiesen.
    Ich wünsche dir viel Kraft und viel Energie. Dein Ehrgeiz wird sich auszahlen.
    Fühl dich fest gedrückt
    Ann-Catrin

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