Auf Wiedersehen, Urlaub!

Genau einen Monat ist die Prüfung heute her.
Wahnsinn! Es kommt mir schon wie eine kleine Ewigkeit vor.
Wäre ich heute Morgen aufgewacht und hätte die Prüfung schreiben müssen, dann wäre wahrscheinlich nur Quatsch bei rausgekommen. Ich habe das Gefühl, dass der meiste Stoff schon wieder vergessen ist…

Seit gestern bin ich wieder aus dem Urlaub zurück.
Vorgestern um die Zeit lag ich noch am Strand auf Mauritius mit einem Cocktail in der Hand und habe an alles gedacht – nur nicht an das deutsche Steuerrecht.
Normalerweise passiert viel in meinen Urlauben: Da gibt es Sightseeing, es werden fremde Städte entdeckt, fremdes Essen probiert und sich mit Händen und Füßen durch die Verkehrsnetze zu den Sightseeing-Highlights durchgewuselt.
Aber dieser Urlaub war mal ganz anders. Alles war auf Erholung programmiert und die einzige Entscheidung, die ich treffen musste war, ob ich am Strand oder am Pool liege.
Sorry für’s Angeben aber so viel Zeit muss sein.

Jetzt geht es in die nächste Etappe: Die mündliche Prüfung.

In meinem Handgepäcks-Koffer für die 12 Stunden-Flugstrecke lag natürlich auch mein noch eingeschweißtes, nagelneues Vorbereitungsbuch für die mündliche Prüfung… und natürlich habe ich es gestern genauso eingeschweißt und ungelesen auch wieder ausgepackt.

Wenn mein Urlaub am Montag gänzlich vorbei ist, fange ich etwas intensiver mit meiner Vorbereitung an und lese das Buch auch mal statt es nur mit mir rumzuschleppen.

Endlich wieder Fensterputzen

Mein Schreibtisch auf der Arbeit quillt über und an die Prüfung denke ich inzwischen nur noch selten. Der Alltag hat mich schneller eingeholt, als ich dachte.

Vor einer Woche sah die Welt noch ganz anders aus. Da war an Alltag noch nicht zu denken.
Vor einer Woche hatte unser türkischer Freund die teuerste Steuerberatung seines Lebens.
Ca. 5.000 Steuerberater-Anwärter haben sich jeweils 3-4 Stunden mit seinem Fall beschäftigt.
Bei einem durchschnittlichen Stundensatz von 70€ pro Person kommt man auf stolze 1.225.000 Euro Honorar. Ich bin gespannt, wie er das von seinem Versorgungsbezug und seinen zwei Renten zahlen will…

Unmittelbar nach den drei Prüfungstagen hätte ich erwartet, dass eine “große Last” von mir abfallen würde. Das war aber nicht so. Der Inhalt der Prüfung wollte mich nicht loslassen und an die neu gewonnene Freizeit musste ich mich erst wieder gewöhnen.
Samstag Morgens bin ich in der Wohnung ziel- und planlos rumgelaufen wie Falschgeld. Ich habe eigentlich nur im Weg gestanden und wusste nichts mit meiner Zeit anzufangen. Es hat sich einfach so falsch angefühlt, nicht lernen zu müssen.

Irgendwann ist mir dann aufgefallen, wie schlimm mein Büro aussah. Die Wände hängen voll mit selbstgemalten Übersichten. Der Boden stand voll mit 29 Aktenordnern. Überall haben sich unsortierte Unterlagen und Fallskizzen gestapelt.
Zum Glück hatte ich ja Zeit und daher durfte ich mich endlich mal wieder einer meiner Lieblings-Freizeitbeschäftigungen widmen: Haushalt. Das ist ernst gemeint! Ich mag Aufräumen, Staubsaugen und Putzen… Musik an – Kopf aus und man sieht Erfolge.

Das war ein befreiendes Gefühl. Und nach dem Aufräumen noch Fensterputzen. Ich liebe Fensterputzen. Danach war der Knoten geplatzt und die Prüfung hat mich losgelassen.

Jetzt genieße ich die Zeit, bevor es in ein paar Wochen mit der mündlichen Prüfungsvorbereitung weiter geht. Endlich wieder Freizeit, endlich kein schlechtes Gewissen mehr….. endlich wieder Fensterputzen!

Wie geht es Euch denn nach der Prüfung? Wartet ihr nervös auf die Ergebnisse oder stürzt ihr euch direkt wieder in die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung? Ich arbeite jetzt 2 Wochen, danach fliegen wir für eine Woche in den Urlaub und ab dann geht es bei mir langsam weiter mit der Vorbereitung auf die Mündliche.

Themen Tag 3: Bilanzsteuerrecht

Abschließend meine Zusammenfassung vom finalen Tag 3. Heute etwas kürzer, weil ich jetzt schnell heim will ;)
Wie immer ist es möglich, dass ich Punkte vergessen oder Probleme oder Themen nicht richtig erkannt habe.
Gestern habe ich auch schon an der Kommentar-Flut gesehen, dass ihr wohl einiges anders gesehen habt. Ihr dürft mich gerne weiter korrigieren.

Sachverhalt 1
Themen: Bewertung eines IWG, Bewertung von Waren, Fremdwährungsverbindlichkeiten, Rückstellungen wegen Schadenersatzverpflichtungen.

Einzelunternehmer A stellt PC Software her.
A wünscht hohes Eigenkapital handelsrechtlich und niedrigen Gewinn steuerrechtlich.
Der vorl. Gewinn ist angegeben und der endgültige Gewinn soll ermittelt werden nach handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Gesichtspunkten.
Es gibt 3 Buchungskreise: Alle Bereiche, nur HR, nur StR.

Tz. 1a:
A stellt PC Software her. Entwicklungskosten 180.000€. Die Software hält 3 Jahre.
Um bei der Bank besser dazustehen, aktiviert er die 180.000€ in beiden Bereichen als RAP.

Es lag ein selbst entwickeltes IWG vor. Das steuerrechtliche Aktivierungsgebot war zu beachten.

Tz. 1b:
Er presst die Software auf DVD und hat dafür diverse Kosten pro Charge.
Es sind die Einkaufspreise zu verschiedenen Daten und Stückzahlen angegeben.

Es ging um die Aktivierung als Umlaufvermögen. Handelsrechtlich möglichst hoch (vergleich Fifo, Lifo, Durchschnitt) und steuerrechtlich geht nur LiFo.

Tz. 2:

A nimmt ein verzinstes Darlehen in US-Dollar mit einer Festlaufzeit von 5 Jahren auf.
Ein Disagio in Höhe von umgerechnet 15.000€ wird gezahlt aber als Kosten aktiviert.

Der Kurs wird schlechter zum Bilanzstichtag (d.H. die Verbindlichkeit wird größer).

Handelsrechtlich Devisenkassamittelkurs und die Währungsnachteile waren als Kosten zu aktivieren.
Steuerrechtlich lag keine dauernde Wertminderung vor weil es sich um übliche Währungsschwankungen handelt. Es war kein Kredit des laufenden Geschäftsverkehrs.

Bei den Zinsen gilt handelsrechtlich dasselbe. Steuerrechtlich liegt nun eine Verbindlichkeit des üblichen Geschäftsverkehrs vor und da die Kursverschlechterung anhielt, durfte nunmehr nach dem BMF-Schreiben eine TW-AfA gemacht werden.

Tz. 3:
A bekam 2015 ein Schreiben eines Anwalts wegen Urheberrechtsverletzung über Schadenersatz 100.000€.
Er hatte aber ohnehin so einen niedrigen Gewinn, dass er einen Buchhalter anwies, keine RSt zu buchen.

2016 wurde nunmehr der Gerichtsprozess eröffnet und der Schadenersatz erhöhte sich um 20.000€ auf 120.000€.

A buchte nun 500.000€ RSt, weil man ja in den USA auch immer auf so hohe Summen verklagt wird.

2017 endet der Gerichtsprozess mit Urteil 125.000 Schadenersatz.

In 2016 und 2017 entstanden Gerichts- und Anwaltskosten, die abzugrenzen waren.

Hier geht es um Nachholungsverbot der Rückstellung über 100.000€ wegen bewusster Manipulation (nur die 20.000€ sind nachzuschieben) und um Text-Begründungen, wann mit Eintritt des Schadens ernstlich zu rechnen ist.

Sachverhalt 2
Themen: Gesellschafterwechsel, Sonderbilanzen, Ergänzungsbilanzen, TW-AfA auf Beteiligungen, Unterschiedliche Behandlung Handelsrecht und Steuerrecht.

Die Bilanz der CD-OHG zum 30.06.2016 ist angegeben.
Es gibt 3 Buchungskreise: Alle Bereiche, nur HR, nur StR.

Tz. 1:
D ist zu 10% beteiligt und verkauft seinen Anteil mit BW 70.000€ für 100.000€ an E.

Die Ergänzungsbilanz ist aufzustellen. In nur einem einzigen WG (Gebäude) liegen stille Reserven. Ein Firmenwert liegt nicht vor. Die Ergänzungsbilanz ist fortzuentwickeln mit 2 AfA-Reihen, weil 4% AfA beim Gebäude in der Gesamthand zulässig war.

Tz. 2:
Zur Finanzierung nimmt E ein Darlehen über 100.000€ auf.
Das hat er in seinem eigenen Einzelunternehmen bilanziert.

Hier ging es meiner Meinung nach um Bilanzierungskonkurrenzen und die Überfühung der Verbindlichkeit ins SBV, die Sonderbilanz war aufzustellen und fortzuentwickeln.

Tz. 3:
Der ausgeschiedene D hatte in seiner Sonderbilanz Grubo mit BW 200.000. Er verkauft den GruBo der OHG für 300.000.
Auf § 16 war nicht einzugehen.

Das wurde natürlich falsch gebucht, ein Gewinn war anzugeben in Höhe von 100.000

Tz. 4:
Der neue Gesellschafter E gab der OHG ein Darlehen in Höhe von 50.000€.
Auch das Darlehen bilanzierte er in seinem Einzelunternehmen.

Meiner Meinung nach auch SBV aber keine Ahnung was die da wirklich wollten.

Tz. 5:
Dar Darlehen aus Tz. 4 war zutreffend zu 20% im Wert gemindert. E macht eine Sonderabschreibung in Höhe von 20%.

Tz. 6:
Nun war das Einzelunternehmen des neuen Gesellschafters E zu bewerten und die dort zutreffend bilanzierte Beteiligung.

Handelsrechtlich liegt hier ein WG vor, das zutreffend einzeln bewertet werden kann und eine TW-AfA um 20% ist zulässig.
Steuerlich Spiegelbildtheorie, keine TW-AfA sondern Buchungen über Beteiligung.

Ich habe hier noch die Überführung der Forderung und der Verbindlichkeit aus Tz. 2 und 4. nach § 6 Abs. 5 EStG in das SBV des E gemacht, aber was die da wirklich von mir wollten weiß ich nicht so recht.

Sachverhalt 3
Themen: Abweichungen HR/StR mit latenten Steuern, Betriebsabrechnungsbogen, vGA, Gebäude-HK, Firmenwert, R6.6-Rücklage.

Eine mittelgroße GmbH erbringt Bauleistungen.
X ist einziger Gesellschafter und hält 100%.
Ziel war möglichst hohes handelsrechtliches EK und möglichst niedriger Gewinn.
Auf latente Steuern war einzugehen.
Ein vorläufiger Gewinn war angegeben, in dem die nachfolgenden drei Sachverhalte noch nicht berücksichtigt waren.

Es gibt 3 Buchungskreise: Alle Bereiche, nur HR, nur StR.

Tz. 1:
X baut sich selber ein Betriebsgebäude auf schon lange bilanziertem GruBo.

Ein Betriebsabrechnungsbogen über alle Materialkosten, Fertigungskosten, Verwaltungskosten, Vertriebskosten und entsprechende Gemeinkosten wird vorgelegt.
Der BAB hat zwei Spalten. Einmal einen mit kalkulatorischen Kosten und AfA und einer für Zwecke der Ermittlung der Herstellungskosten.

Die Quote der Gesamtkosten zu den Gebäude-Kosten wird angegeben.

Das Gebäude selber wird zu zwei Zwecken genutzt:
2/5 soll B unentgeltlich übertragen bekommen zu eigenen Wohnzwecken und 3/5 werden betrieblich genutzt.
Es werden Unmengen an Angaben zu Umsatzsteuer und Preisaufschlägen etc. gemacht.

Das Ziel war es, aus dem Gesamt-BAB die HK des Gebäudes zu ermitteln und dann quotal aufzuteilen.
Der eigenbetriebliche Teil war möglichst hoch darzustellen.
Der Teil zu Wohnzwecken war eine vGA und ist mit dem gemeinen Wert anzusetzen (also incl. USt und Preisaufschlägen und kalkulatorischen Kosten etc.)

Auf die unterschiedliche steuerrechtliche und handelsrechtliche Beurteilung war einzugehen. Latente Steuern waren anzugeben.

Tz. 2:
Ein Einzelunternehmen mit BW 100.000 wird wegen des guten Rufes für 500.000€ gekauft.
Es war auf den Firmenwert und deren handelsrechtliche und steuerrechtliche Zugangs- und Folgebewertung einzugehen.

Wegen der unterschiedlichen AfA gab es auch hier latente Steuern.

Tz. 3:
Ein Kran wird gestohlen. Die Versicherung erstattet 15.000€ mehr als den Buchwert. Die Aufdeckung der stillen Reserven sollte mit einer R6.6-Rücklage vermieden werden. Eine Ersatzanschaffung war für 2017 geplant.

Auch hier gab es latente Steuern.

Gesamt-Fazit
Das war machbar!
Viele kleine Fälle, bei denen man schön Punkte holen konnte. Ich habe keinen Haken gefunden. Der Gesellschafterwechsel war klar und strukturiert. Kein Vergleich zum § 24 UmwStG letztes Jahr.

Und jetzt geht es feiern!!!

Themen Tag 2: Ertragsteuern

Nachfolgend meine Zusammenfassung von Tag 2.
Es ist natürlich wie gestern möglich und sogar ziemlich wahrscheinlich, dass ich Punkte vergessen oder Probleme oder Themen nicht richtig erkannt habe.
Im dem Fall dürft ihr mich gerne in den Kommentaren verbessern; ich arbeite die Kommentare aber erst ab Donnerstag ab.

Einkommensteuer
Der Sachverhalt war wild gewürfelt und es gab eine riesen Sucherei. Ich sortiere nachfolgend schon.
Themen: DBA Deutschland/Türkei, Wechsel von beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht, Arbeitslohn, Geldwerter Vorteil, Aktienoptionen, Renten, Dividenden, Aktienveräußerungen, ALG I.

Sacherhalt:
Ali, türkischer Staatsbürger, lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. Er lebt bis 30.09.2016 in Deutschland und ab 01.10.2016 geht er zurück in die Türkei. In 2017 stirbt er. Das DBA lag bei.

§ 19 EStG:
Ali bekommt in 01+02/2017 EUR 10.000€ und für die Folgezeit 10.200€ pro Monat Gehalt von einer inl. AG.
2 Monate in 2016 arbeitet er bei einer Tochtergesellschaft in der Türkei. Hier musste nach DBA geprüft werden, ob die Tochter einer Betriebsstätte ist und das Gehalt anteilig auf die Zeit in der Türkei runtergerechnet werden. Nach DBA wurde dann die Steuerfreiheit unter Progressionsvorbehalt für die Zeit festgestellt.

Weiterhin hat Ali Aktienoptionen. Er zieht für 40€/Aktie x 100 Aktien die Option am 19.05 und bekommt am 17.06 die Papiere gutgeschrieben.
Die Teilwerte zum 19.05 und 17.06 war angegeben. Hier musste dann der Zuflusszeitpunkt ermittelt werden und der geldwerte Vorteil berechnet werden.

Zum 30.06. wird Ali gekündigt. Er bekommt eine Abfindung i.H.v. 70.000, gezahlt in 3 Teilbeträgen.
Teil 1: 01.07.2017 i.H.v. 30.000€ (unbeschränkte Steuerpflicht)
Teil 2: 01.10.2017 i.H.v. 35.000€ (beschränkte Steuerpflicht)
Rest in 2017.
Hier durfte der Zuflusszeitpunkt bestimmt werden, Hinweis auf § 24 Nr. 1, Außerordentliche Einkünfte benennen und nach DBA die Steuerfreiheit der Bezüge zum 01.10.2016 festgestellt werden unter Progressionsvorbehalt.

Von einem ehemaligen Arbeitgeber bekommt Ali einen Versorgungsbezug ab 01.10.2016. Der Arbeitgeber war im Inland belegen, 30% der Arbeitszeit hat er aber in fremden Nicht-DBA-Staaten gearbeitet. Der Versorgungsbezug wurde ab 01.10.2017 ausgezahlt zur Zeit der beschränkten Steuerpflicht. Der Versorgungsfreibetrag musste berechnet werden (anteilig) und der WK-Pauschbetrag durfte auch hier nicht vergessen werden. Dann durfte wieder im DBA gefunden werden, dass der Bezug steuerfrei ist unter Anrechung von Progressionsvorbehalt.

§ 20 EStG:
Ali verkauft in seiner unbeschränkten Zeit 60 von 100 Aktien für 80€/Stück.
Hier durften die Anschaffungskosten (Kaufpreis + Geldwerter Vorteil) berechnet werden und anschließend der Gewinn. Hiervon war der SFB nach § 20 Abs. 9 abzuziehen. Antrag nach § 32d war nicht möglich weil Beteiligung unter 1%.

Für die restlichen 40 Aktien gibt es 2€ Dividende/Stück.
Beschluss der Ausschüttung in 09/16, Auszahlung in 10/16 (erster Monat der beschränkten Steuerpflicht).
Hier durfte die ganze 43er Kette runtergebetet werden um im Anschluss im DBA zu finden, dass Deutschland nur 15% Quellensteuer einbehalten darf. Für die Differenz darf ein Antrag beim BZSt gestellt werden.

§ 22 EStG:
Ali bekommt 2 Renten jeweils ab 01.10.2016, also während der beschränkten Zeit.
Einmal eine normale Altersrente bei der DRV und einmal vom ehemaligen Arbeitgeber eine Pension. Von der Pension waren 30% aus steuerfreien Mitteln nach § 3 Nr. 63 EStG bedient, der Rest aus unbefreitem Vermögen.
Die Rente und der Rentenfreibetrag mussten jeweils ermittelt werden. Auch hier den WK-Pauschbetrag nicht vergessen. Im Anschluss hat man im DBA die Steuerfreiheit der Renten finden können unter Anwendung des Progressionsvorbehalts (hier habe ich geschwommen).

Arbeitslosengeld
Ali bekommt noch 3 Monate ALG 1. Keine Einkunftsart aber dafür Progressionsvorbehalt.

Körperschaftsteuer

Thema: Organschaft

Sacherhalt:
Die A-GmbH ist Organträger der B-GmbH und zu 70% an ihr beteiligt. Die anderen 30% hält ein fremder Dritter, der einen Ausgleichsanspruch auf 75.000€ pro Jahr hat.
Der EAV war auf Gültigkeit zu prüfen.

Für beide Gesellschaften war der vorläufige handelsrechtliche Gewinn angegeben. Der Ausgleichsanspruch war dort ergebniswirksam enthalten. Außerdem waren in den handelsrechtlichen Gewinnen noch nicht-abzugsfähige Betriebsausgaben enthalten.

Für die B-GmbH als Organgesellschaft war das steuerliche Einlagenkonto fortzuentwickeln. Hierzu gab es Angaben zum Eigenkapital im Vorjahr und zum Bestand des stl. Einlagenkontos des Vorjahres.

Nicht berücksichtigt waren im Ergebnis beider Gesellschaften folgende Einzelsachverhalte:

a) Die OG hat eine handelsrechtlich zulässige Drohverlustrückstellung in Vorjahren, teilweise in vororganschaftlicher Zeit, gebildet, die in 2016 komplett aufgelöst wurde.

b) Die OG hat eine vGA an eine nahe angehörige des Fremdgesellschafters in Höhe von 100.000€ geleistet.

c) Der Steuerberater des OT’s hat eine Fehlberatung geleistet, die zu Mehr-Körperschaftsteuer führte. Er versprach, die Mehr-KSt zu übernehmen.
Ich glaube, dass hier eine eventuelle außerbilanzielle Kürzung der gewinnwirksamen Forderungseinbuchung nach § 10 Nr. 2 KStG verneint werden sollte

d) In einem sehr kompliziert ausgedrückten Sachverhalt wurden KSt-Nachzahlungszinsen zurückgezahlt und im Anschluss noch eigene Erstattungszinsen hinerhergeschoben. Die Erstattungszinsen sind im Gegensatz zu der Rückzahlung dann nach § 10 Nr. 2 KStG nicht befreit.

e) Der OT hat sich an einer X-GmbH, an der er zu 100% beteiligt ist, mit einer stillen Beteiligung in Höhe von EUR 500.000 beteiligt. Dafür bekommt er 99% vom Gewinn, Verlust und den stillen Reserven. Angemessen wären nur 50% gewesen. Eine Gewinnausschüttung in Höhe von 99% von 100.000€ = 99.000€ findet statt und wird gebucht.
Hier vGA ermitteln und auf § 8b Abs. 1/5 hinweisen.

f) Der OT ist zu 4% an einer Y-GmbH beteiligt, die OG zu 11%. Es gibt eine Gewinnausschüttung.
Hier durfte bei der OG §8b nicht angewendet werden sondern erst auf Ebene des OT. Der OT selber hatte nur 4%, insoweit § 8b Abs. 4 keine Freistellung; keine Zusammenrechnung.

Am Ende waren noch Angaben zum Ausgleichsposten zu machen nach § 14 Abs. 4 KStG (75.000€ x Beteiligungsquote x 70%) incl. Fortentwicklung.

Gewerbesteuer
Eigener Mini-Sachverhalt mit geschenkten Punkten nach dem Motto: “Wo ist der Haken?”

SV 1: Die GmbH kauft in 2016 ein neues Grundstück und hat Finanzierungskosten in Höhe von 50.000€. Davon wurden 10.000€ zulässig als AK aktiviert.
Problem 1: Nur 40.000 hinzurechnen
Problem 2: Keine Kürzung weil erst in 2016 neu gekauft.

SV 2: Die GmbH mietet für viel Geld ein Betriebsgrundstück. 10% davon werden untervermietet.
Problem: Werden alle Mietaufwendungen hinzugerechnet oder nur der saldierte aufwandswirksame Betrag.

SV 3: Es sind 20.000€ Nachzahlungszinsen zur Gewerbesteuer enthalten. § 4 Abs. 5b (“Nebenleistung”) außerbilanziell raus damit.

Gesamtfazit
Ich habe den Haken nicht gefunden. Bis auf einige Ausnahmen waren die Einzelsachverhalte teilweise sehr einfach. Inbesondere der Gewerbesteuer-Sachverhalt war so einfach, dass er mich aus dem Konzept gebracht hat.
Die Themen waren wieder untypisch für eine klassische Steuerberaterprüfung. Nicht eine einzige Gewinneinkunft in Einkommensteuer.
Die Punkteverteilung ist mir schleierhaft. Ich bin gespannt.

Wie immer bin ich auf Eure Meinungen gespannt.

Themen Tag 1: Gemischte Klausur

Wie versprochen versuche ich die Themen grob zusammen zu fassen.
Es ist natürlich durchaus möglich, dass ich Punkte vergessen oder Probleme oder Themen nicht richtig erkannt habe.
Im dem Fall dürft ihr mich gerne in den Kommentaren verbessern; ich arbeite die Kommentare aber erst ab Donnerstag ab.

Verfahrensrecht

Sacherhalt:
Es geht um die Steuerveranlagung 2009.
X stirbt in 2009 und das Finanzamt bekommt davon nichts mit.
In 2011 wird ein Schätzbescheid erlassen, der an X adressiert ist.

[Hier durfte dann die Nichtigkeit festgestellt werden].

Der Erbe Y gibt in 2011 die Steuererklärung des X ab und bekommt den Bescheid an ihn. Es handelt sich um einen Erstbescheid (der vorherige war ja nichtig) mit § 165 AO ohne § 164 AO.
Steuerschuld 650.000€

X hat selber schon 560.000€ zu Lebzeiten vorausgezahlt und 40.000€ wurden nach dem Tod des X per Einzugsermächtigung von seinem Girokonto abgebucht.
Y hat nur die verbleibenden 50.000 gezahlt.

Dann passiert lange Zeit nichts.

Im August 2016 findet Z ein handschriftliches Testament, dass er eigentlich rechtmäßiger Erbe des X ist [was lt. SV auch zutreffend ist].

Der Steuerberater des Y schreibt nun einen Brief an das Finanzamt, dass sein Mandant Y ja gar nicht Erbe war und er deshalb gerne die 650.000€ Steuern erstattet bekommen würde.
Das Finanzamt lehnt dies mit der Begründung ab, der Fall sei verjährt und X hätte wenn überhaupt nur Anspruch auf seine gezahlten 50.000€. Das Schreiben hat keinen gültigen Rechtsbehelf.

Nun die Aufgabe:

Wir sollen gutachterlich alle möglichen und sinnvollen Rechtsbehelfe prüfen und die Aussicht auf deren Erfolg prüfen.

Meine Ideen

Da hab ich ganz schön geschwommen.

Das Schreiben des StB könnte man als Einspruch auslegen; dann ist die Ablehnung eine Einspruchsentscheidung und der Klageweg wäre offen.
Das Schreiben könnte man auch als Antrag auslegen; dann wäre gegen die Ablehnung seinerseits der Einspruch wiederum möglich.

Wie auch immer man in den Fall gestartet ist:
Klage und Einspruchsvoraussetzungen sind weitgehend gleich (Frist, Form, Statthaftigkeit, Beschwer) und die Korrekturvorschriften auch.
Hier durfte man dann alles durchprüfen und meiner Meinung nach war nur § 175 AO möglich (rückwirkendes Ereignis).

Versteckt waren dann noch lauter Probleme wie Abrechnungsbescheid, Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand, Fristen, die auf Samstagen endeten und die Frage, ob der Erbe eine gültige Erklärung abgeben konnte, wo er doch rechtmäßig gar kein Erbe war.

Umsatzsteuer

Thema: Kleinunternehmer; Arzt mit ästhetischen Wahlleistungen, Geschäftsveräußerung im Ganzen mit Rückbehaltung des Grundstücks, Geschenke an Mitarbeiter, IGE.

Angaben zur Unternehmereigenschaft und zum Umfang des Unternehmens waren gewünscht.
Berechung der USt nach Vereinnahmten (!!!) Entgelten lag vor.

SV 1:
Ein angestellter Chirurg kauft zum 01.07.2016 eine Arztpraxis von X ab.
Geld wird gezahlt für den Praxiswert (500.000) und für Inventar (400.000). Im Inventar ist auch ein Röntgengerät aus 2013 dabei, das USt-Pflichtig gekauft wurde und 30.000€ netto gekostet hat. Der Verkäufer behält das Praxisgebäude zurück und veräußert es nicht mit.
Das Gebäude mit BJ vor 1980 wird auf unbeschränkte Zeit mit kurzer Kündigungsmöglichkeit (6 Monate) vermietet und zwar incl. offenem USt-Ausweis.

Problem 1: Geschäftsveräußerung im Ganzen trotz Rückbehalt des Gebäudes? Meiner Meinung nach ja, weil auf unbestimmte Zeit vermietet wird. So habe ich das in den Richtlinien gefunden. Kurze Kündigungsfrist ist unschädlich

Problem 2: Offener Ausweis der Miete. Option nach § 9 Abs. 1 möglich; § 9 Abs. 2 nein weil der Mieter ja seinerseits Arzt ist der USt-freie Umsätze ausführt.
Aber § 9 Abs. 2 ist nach § 27 Abs. 2 erst nach 1998 anwendbar (Ich mache das aus dem Kopf, kann sein dass ich mich hier vertue). Deshalb war meiner Meinung nach der USt-Ausweis kein § 14c sondern in Ordnung.

SV 2:
a)
Es werden diverse Angaben zur Kleinunternehmerschaft gemacht.
Der Arzt prognostiziert 200.000 USt-freie Umsätze und 5.000€ USt-pflichtige Umsätze für Schönheits-OP’s.

Für meine Lösung habe ich eben schon viel Gegenwind bekommen aber bei mir war der in 2016 Kleinunternehmer. Ich habe die 5.000 € auf ein ganzes Jahr hochgerechnet und war immer noch unter 17.500€.
Ein Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung ist lt. SV ausgeschlossen.

b) Der Arzt fing mit schriftstellerischer Tätigkeit für Fachverlage an. Es wurde eine Gutschrift des Verlages mit offenem Ausweis i.H.v. 19% gestellt.
Problem 1: Eigentlich 7%
Problem 2: Eigentlich Kleinunternehmer = gar kein Ausweis
Problem 3: Wer schuldet die 14c Abs. 2 Steuer im Gutschriftsweg. Verlag oder Arzt?

SV 3:
Nun gab es Angaben zu den tatsächlichen Umsätzen für 2016 und eine neue Prognose für 2017.
Hier flog er ganz eindeutig aus der Kleinunternehmerschaft ab 2017 raus.

Also Miete anteilig ziehen für den gemieteten Gebäudeteil, in dem er schriftstellerisch tätig ist.
§ 15a für das Röntgengerät aus SV 1, weil er es anteilig für steuerpflichtige Umsätze nutzt.
Schriftstellerische Tätigkeit bewerten. Für 2017 gab es hier gar keinen USt-Ausweis auf der Gutschrift.

SV 4:
Der OP wird neu eingerichtet. Hier werden in 2016 (Kleinunternehmerzeit) aus Österreich Sachen bestellt.
Ein Teil wird in 2016 geliefert, der Rest in 2017. Rechunung und Zahlung erfolgt in 2017.

Der Arzt verwendet lt. SV seine USt-ID-Nr.

Der iGE musste durchgeprüft werden und auf die Voranmeldungszeiträume eingegangen werden.

SV 5:
Der Arzt hat für seine Sprechstundenhilfen jeweils einen Blumenstrauß zum Geburtstag für netto 30€ geholt (Aufmerksamkeit) und zum 60. Geburtstag einer angestellten einen Reisegutschein für 1.000€ + 19% USt.

Bei den Blumensträußen war die Vorsteuer in Ordnung und es war keine unentgeltliche Wertabgabe weil Aufmerksamkeit.
Beim Reisegutschein durfte man die VSt gar nicht erst ziehen weil es für das Verschenken bestimmt war.

Hierhinter steckte aber bestimmt noch mehr, was ich nicht gesehen habe.

ErbSt/Bewertung

Thema beschränkte Steuerpflicht.
Besteuerungszeitpunkt 30.06.2016.

Aufgabe: Zutreffende ErbSt ermitteln.

Sachverhalt:

Vater V, seit Jahrzehnten Staatsbürger in Argentinien vererbt seinem Sohn S folgende Vermögensgegenstände:

1. Hier war ein kleines Easter-Egg versteckt. Der Erblasser hatte ein L+F Grundtück in Argentinien, das aber nicht in § 121 BewG genannt ist also irrelevant für uns war.

2. Wohnhaus in Argentinien; nicht in § 121 BewG genannt

3. Bargeld bei der Deutschen Bank Berlin. Neben Kontoguthaben ist auch im Schließfach noch ein wertvolles Objekt; ; nicht in § 121 BewG genannt.

4. 20% GmbH-Beteiligung an einer deutschen GmbH.
Hier war ein zutreffender Ertragswert auf den Stichtag angegeben.
Was offen blieb, ist der Substanzwertvergleich als Mindestwert.
Es gab nur eine Buchwert-Bilanz auf den 31.12.2015; also 6 Monate vor dem Bewertungszeitpunkt.
Hieraus musste der Substanzwert nach Richtline 11.4 soweit ich mich einnere abgeleitet werden.

Es fanden sich Angaben zu Gebäuden im BV, die einzeln bewertet werden mussten.
Hier musste in der Folge noch der Gewinn bereinigt werden, in dem auch Aufwendungen für das einzeln zu bewertende Grundstück enthalten waren.
Es fanden sich Angaben zu BGA, die mit der Vereinfachungsregel (30% der Anschaffungskosten) bewertet werden mussten.
Dann lag eine §6b-RSt vor, die rausgerechnet werden musste
Außerdem wurde ein Gewinn angegeben, der für ein halbes Jahr draufgerechnet werden musste.

5. Ein unbebautes Grundstück in Deutschland.
Hier wurde der Bodenrichtwert eines Vergleichsgrundstücks mit anderer Geschossflächenzahl angegeben. Außerdem gab es noch einen Zaun als Außenanlagen und ein Wegerecht.
Ein Gutachten lag vor.

Hier sollte geprüft werden, ob das Gutachten oder die Bewertung nach BewG günstier ist.

6. Schulden bei einem Freund für den Kauf der GmbH Beteiligung, natürlich unverzinslich und erst in ein paar Monaten ist die erste Tilgung fällig.
Zunächst musste hier abgezinst werden nach Tabelle 2 und dann die Aufschubzeit berücksichtigt werden nach Tabelle 1

7. Bestattungskosten in Argentinien i.H.v. 12.500€

Bei mir kam sogar noch ein § 19 Abs. 3; also Günstigerprüfung vor. Das ist aber eh Glücksache.

Gesamtfazit

Noch fehlt mir der nötige Abstand zur Klausur, daher ist meine Aussage mit Vorsicht zu genießen.

Aber ich fand das alles sehr speziell:
AO mit einem plötzlichen Wechsel des Gesamtrechtsnachfolgers
Kleinunternehmer bei einem Arzt in USt
beschränkte Steuerpflicht in ErbSt/Bew

Positiv ist, dass ich zumindest jetzt überall rumerzählen kann, dass L+F abgeprüft wurde dank dem Bauernhof in Argentinien ;)

Ich bin auf Eure Meinungen zur Klausur und Eure Lösungsansätze gespannt.

Jetzt ist es soweit…

… Die 3 Tage, auf die wir seit vielen Monaten hinarbeiten, stehen unmittelbar vor der Tür.

Ob ich gut vorbereitet bin, weiß ich nicht. Ob ich bestehen werde auch nicht.
Ich habe mich inzwischen mit dem Gedanken abgefunden, dass alles und nichts bei der Prüfung rauskommen kann und Fleiß kein Garant für Erfolg ist.

Was ich aber sicher weiß ist, dass es ab jetzt auch nichts mehr bringt, wenn ich die letzten Tage noch wie ein wilder lerne.

Die restliche Zeit verbringe ich daher so, dass ich heute meinen letzten klassischen Lerntag habe. Gut so, denn die Motivation ist im Keller. Am Samstag wird nur noch auswendig gelernt, was schnell aufs Papier soll (wie Einspruchsverfahren, Klagebedingungen,…) oder eben nicht im Gesetz steht (wie Bewertung von Bezugsrechten, Vorkaufsrechten etc.).

Den Sonntag werde ich mit Ausschlafen und Couch verbringen, um nochmal Kräfte zu sammeln.
Am Montag startet mein Prüfungsablauf.

Der Tag vor der Prüfung

Heute werde ich für die Prüfung einkaufen. 3 Ersatzminen, 3 große Flaschen Wasser, 3 RedBull, 3 Bananen und 3 Snickers White Chocolate als “Belohnung” zur Halbzeit.
Im Anschluss packe ich meinen Prüfungs-Koffer und ein paar Klamotten für Hotel. Bequeme Jeans, bequemes T-Shirt und so einen Pullover mit Reißverschluss. Ich weiß ja nicht ob 15°C oder 40°C in dem Prüfungssaal sind. Also Zwiebelprinzip. Um 15:00 Uhr will ich im Hotel sein; so früh wie möglich um mich schon mal von der Außenwelt abzuschotten und mir nie wieder die Frage anhören zu müssen, ob ich aufgeregt bin. Dumme Frage! Klar bin ich aufgeregt, seit einem Jahr arbeite ich auf den Tag hin. Wer ist da nicht aufgeregt?

Abends gehe ich mit ein paar Mitstreitern essen… Leute: Bitte Restaurants raussuchen. Der Erste, der über die Prüfung oder Steuerrecht redet, zahlt die Rechnung.

Die Prüfungstage

Ich werde ab 7 Uhr morgens mit meinen Kopfhörern rumlaufen. Auch zum Frühstück. Und ja, ich weiß wie dämlich ich damit aussehe. Ist mir aber egal! Das ist Selbstschutz, um mich nicht verrückt machen zu lassen. Um 08:10 Uhr soll ich laut Ladung da sein. Die Zeit werde ich auch ausreizen, um Wartezeiten vor der Halle zu vermeiden.

Ab 15:00 Uhr geht’s – mit Kopfhörern im Ohr – ins Hotel. Menschen vermeide ich in der Zeit.

Abends geht’s noch was essen. Die Spielregeln bleiben dieselben.

Nach 3 Tagen kann ich dann hoffentlich einschätzen, ob ich diese Zeit nochmal durchleben “darf” oder es gereicht haben könnte. Ansonsten plagen mich mindestens 3 Monate quälende Ungewissheit.

P.S.: Das Vermeiden von Menschen während den 3 Tagen gilt auch für den Blog hier. Wenn ich vor lauter Schweiß und Tränen nicht am Ende meiner Kräfte bin, versuche ich hier die Themen der Prüfung grob zusammenzufassen. Nur die Kommentare darunter lese ich nicht :P

Viel Erfolg, liebe Leidensgenossen!

Im Auge des Hurrikans

Im Moment ist eine komische Zeit.
Die ganze Hektik der Vorbereitungskurse ist vorbei und sogar ich habe jetzt frei.

Meine Tage sind ruhig und monoton. Ich stehe zusammen mit meiner Frau um 6 Uhr auf. Draußen ist es zu der Zeit noch stockdunkel…
Nachdem ich mit einem Putzeimer voller Kaffee meine schlechte Laune runtergespült habe, geht’s in Schlafanzughose ins Büro zum Lernbeginn.
Und da bleibe ich auch sitzen, bis die Sonne langsam wieder untergeht… Im selben Büro auf demselben Stuhl vor demselben Stapel Unterlagen…

Aber der Eindruck täuscht. Die Hektik ist nicht vorbei. Ich darf mich von der Ruhe und Monotonie nicht täuschen lassen. Das ist nur die trügerische Ruhe vor dem Sturm und in 11 Tagen knallt’s so richtig.

Natürlich bin ich beim Lernen nicht durchgehend konzentriert. Manchmal liest man gerade etwas über die unentgeltliche Übertragung eines Mitunternehmeranteils, schweift unterbewusst mit den Gedanken ab und erwischt sich 20 Minuten später dabei wie man sich auf YouTube eine Anleitung zum Mundharmonika-Spielen anguckt. Ich habe nicht mal eine Mundharmonika….

Aber ich muss da sitzen bleiben und mich zwingen. Die Wissenslücken sind so groß wie Scheunentore und die Zeit läuft davon. Also motiviere ich mich weiter.
Nur ist das mit der Motivation nicht immer so leicht. Ich scheitere an Fällen, die ich können müsste und mache Fehler, die ich nicht mehr machen dürfte.
Dazu kommen Flüchtigkeitsfehler bzw. falsch gelesene Sachverhalte. Sowas passiert mir normalerweise nicht aber wegen der mangelnden Motivation hier eben doch. Das nervt einfach!

Abends kommt die Frau nach Hause und fragt, was es so neues gibt und was ich den Tag so gemacht habe. Die Freunde und Familie fragen, wie “der Urlaub” so ist.
Was soll man antworten, wenn das einzige, auf das man stolz sein kann ist, dass man sich im Verlauf des Tages eine richtige Hose angezogen hat?!

Es hat sich noch nie so komisch angefühlt, zu Hause zu sein. Man sieht Nachbarn, die man noch nie gesehen hat und regt sich über Geräusche im Haus auf, die man noch nie gehört hat.
So fühlt es sich wohl an, wenn man sich im Auge des Hurrikans befindet.

Wie läuft’s bei euch?

Spezialthemen

Es ist Donnerstag, 15:00 Uhr.

In 3 Wochen um diese Zeit haben wir es hinter uns! Dann hat mein Kopf Feierabend und meine Leber Doppelschicht.
Die meisten von uns werden aktuell wohl nur noch alte Klausuren nacharbeiten, die nicht so gut gelaufen sind. Vielleicht werden noch vereinzelt problematische Themen nachgearbeitet oder Fußgängerpunkte auswendig gelernt. Aber so richtig neue Sachen fängt wohl keiner mehr an.

Oder doch?

In jedem Kurs gibt es doch dieses eine Gerücht über ein Spezialthema, das dieses Jahr “auf jeden Fall” nochmal drankommen soll.

Neben den typischen Angst-Themen wie z.B. Vollstreckung in der AO wurden mir auch völlig unerwartet Themen verkauft, mit denen ich dieses Jahr selber niemals gerechnet hätte:

Das eine Gerücht ist Lohnsteuer “in großem Umfang”. Ein bisschen kommt ja immer aber dieses Jahr soll es nochmal krachen. Damit hätte ich ja nach letztem Jahr nicht mehr gerechnet.

Das andere Thema ist ganz verrückt. Es sollen Vereine in der Körperschaftsteuer drankommen.

Tja, und wie gehe ich jetzt damit um? Gucke ich mir Lohnsteuer intensiv an oder reicht mir mein Praxiswissen. Und wie mache ich das mit Vereinen? Sowas habe ich noch nie gemacht. Opfer ich jetzt einen meiner knappen Lerntage dafür?
Zur Beruhigung meines Gewissens habe ich mich entschieden, einen “Spezialtag” in meinen Lernplan einzubauen. Da mache ich eine 2-Std. Vollstreckungs-Klausur, einen Vereins-Fall sowie eine Liquidation in KSt und natürlich einen Lohnsteuerfall mit den Schwerpunkten auf jüngere Änderungen wie § 37b EStG und Elektromobilität.

Aber nochmal, das mache ich nur zur Beruhigung meines Gewissens! Ich glaube nicht wirklich, dass an den Gerüchten etwas dran ist.

Wie sieht es bei euch aus? Lasst ihr euch von solchen Gerüchten verrückt machen? Habt ihr noch weitere totsichere Gerüchte über Spezialthemen gehört? Schaut ihr euch diese Spezialthemen an?
Über Kommentare dazu würde ich mich freuen.

Zum Schluss noch 3 Punkte:

1. Lasst euch nicht verrückt machen. Selbst wenn widererwartend ein Spezialthema drankommen sollte, dann sind das wenige Punkte und mit Hilfe des Stichwortverzeichnisses ist vieles möglich.

2. Falls ein Klausurersteller mitliest: Ein weiteres dieser Gerüchte sagt ja, dass die ESt-Klausur letztes Jahr geändert werden musste, weil die Gerüchte zu nah an der Wahrheit dran waren.
Lieber Klausurverfasser, ich bin mir gaaaaanz sicher, dass Land- und Forstwirtschaft, Vollstreckung, Haftung, Lohnsteuer, Vereine, Betriebe gewerblicher Art, Differenzbesteuerung, Umwandlungsteuer, Personengesellschaften und alles mit internationalem Steuerrecht drankommen soll. Wir alle haben uns perfekt darauf vorbereitet.
Wenn ihr eins dieser Themen abfragen wolltet, dann tuts mir leid aber dann muss die Klausur jetzt nochmal geändert werden. Jetzt ist die Katze ja aus dem Sack. Schade!

3. Trotz des Stresses: Bitte wählen gehen am Sonntag!

Klausurenkurs geschafft oder geschafft vom Klausurenkurs?

Morgen ist der letzte Tag meines Klausurenkurses.
Grund genug, die letzten 4 Wochen nochmal Revue passieren zu lassen.

Der Kurs war für mich so etwas wie ein Meilenstein – nämlich der Startpunkt für die richtig ernste Phase, in der ich sämtlichen Freizeitaktivitäten wie Freunde, Familie, Hobbys und so einen unnötigen Quatsch abstelle.

Was habe ich mir nicht alles vom Kurs versprochen?! Ich habe gehofft, mit allen Themen etwas anfangen zu können, jede Klausur mit mindestens 4,5 zu bestehen, mich besser einschätzen zu können, neue Leute kennen zu lernen und motiviert bis zum Schluss am Ball zu bleiben. Quasi sowas wie eine 18-tätige Generalprobe.
Für die Nächte habe ich mir unter der Woche bewusst ein Hotel gebucht, um mich nicht von meinem üblichen Umfeld ablenken zu lassen und mich voll auf die Sache zu konzentrieren.
Ja… und wenn man schon mal in Köln ist und neue Leute kennen lernt, dann kann man ja auch abends ab und zu mal weggehen, oder!?

Entsprechend motiviert habe ich auch gestartet. Das Schreibmaterial war vorbereitet, das Gesicht frisch rasiert und die Hemden gebügelt. Für einen ersten Eindruck hat man schließlich keine zweite Chance. Wie mein erster Tag abgelaufen ist, könnt ihr ja hier (klick) nachlesen.

Heute, am vorletzten Tag, hat mich die Realität schon lange eingeholt. Ich war mal wieder viiieeel zu naiv. Schon am zweiten Tag habe ich das Hemd gegen ein gemütliches T-Shirt getauscht. Die gute Optik wisch immer mehr der Bequemlichkeit. Inzwischen gilt das Prinzip “Langstreckenflug”.

Jede Klausur motiviert ausformuliert und bis zur letzten Sekunde gekämpft habe ich auch nicht mehr. In Wahrheit habe ich oft nur kryptische Stichwörter geschrieben, um meine Gedanken zu überprüfen. Und ja, ich weiß, dass das nicht so effektiv ist. Aber wenn man zum 10 Mal eine vGA begründet hat ist das nur noch müßig.

Und Abends war ich so müde wie gefühlt noch nie in meinem Leben, sodass ich nicht ein einziges Mal später als 19:30 Uhr im Hotel war.

Das schlimmste ist aber: Ich konnte mit vielen Themen immer noch nicht viel anfangen. Ich wusste, dass ich das schon mal gemacht habe. Ich wusste teilweise sogar, wo das Thema im Script steht. Aber richtig lösen konnte ich die Fälle trotzdem nicht. Sowas macht mich richtig sauer. Da hat man ein Jahr gelernt und schafft es trotzdem nicht immer, 40 Punkte zu schreiben. Wenn man 15 Seiten schreibt und nicht besteht, dann bedeutet das, dass man mindestens 9 ganze Seiten lang völligen Quatsch geschrieben hat. Das lässt einen verzweifeln, oder?
Man kann arbeiten so hart wie man will aber man spürt einfach keine Fortschritte. Genauso muss sich Martin Schulz im Moment fühlen.

Tja und jetzt? Soll ich jetzt froh sein, dass es vorbei ist? Oder soll ich Panik bekommen, weil nur noch 25 Tage bleiben?
Wie geht’s euch? Motiviert oder Panik? Froh, wenn es vorbei ist oder hättet ihr lieber noch ein paar Wochen mehr Zeit?

Etwas positives gibt es trotzdem zu vermelden. Wenigstens kann ich mich jetzt besser einschätzen: Ich bin ein Holzkopf.

Erwartungsdruck

Gerade ist Halbzeit in meinem Klausuren-Kurs.

Wirklich überragend läuft es nicht; meistens bestehe ich ganz knapp. Ich sehe mich auf einem guten Weg aber weiß, dass ich noch ein ganzes Stück Arbeit vor mir habe.
Wäre morgen die Echt-Klausur, dann müsste bei der Themenauswahl schon viel Glück dabei sein, damit ich bestehen würde.
Aber das muss ich hier in der aktuellen Situation wahrscheinlich keinem mehr erzählen.

Anders sieht es aus, wenn das Thema “Steuerberaterprüfung” im Freundes- oder Familienkreis angesprochen wird.
Da gehen alle fest davon aus, dass ich die Klausur im Oktober problemlos schaffen werde.

Meistens bekomme ich dann Kommentar wie:
“Du schaffst das doch eh!”
“Wenn Du das nicht schaffst, wer dann?”.

Und wenn ich ganz viel “Glück” habe, dann werden die Geschichten noch garniert mit Erzählungen, wie leicht andere ihre Schul-, Berufs- oder Universitätsausbildung gemeistert haben.
“Das schaffst du schon, die Nichte von Onkel Harry hat ihre Ausbildung auch mit einer Zwei abgeschlossen”… Öhhm, Jaaaa, Oma, Danke fürs Gespräch.

Es versteht eben niemand Fachfremdes, dass die Prüfung etwas schwieriger ist, als viele andere Prüfungen. Und wenn man selber von Beruf Glückskeksautor oder Golfballtaucher ist, dann fehlt einem halt die Erfahrung bei dem Thema mitzusprechen. Die meisten machen es aber trotzdem…

Viel bringen die Gespräche also nicht. Was bleibt ist der Erwartungsdruck.

Ich weiß selber, dass man sich mit dem Gedanken nicht selber unter Druck setzen soll. Aber das ist leichter gesagt als getan…
Eigentlich bin ich sehr optimistisch aber manchmal stellt man sich eben doch die Frage “Was wäre wenn”.
Ich gehe damit so um, dass ich einen Teil meiner Motivation aus der Angst vor dem Durchfallen ziehe und mich dann ab und zu abends doch nochmal eine Stunde vor die Bücher setze.

Wie schaut es bei euch aus? Stoßt ihr auf mehr Verständnis in eurem Umfeld oder lebt ihr ganz einfach mit dem Erwartungsdruck?